PhD Projekt »Kunst und Nachhaltigkeit«
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Kunst und Nachhaltigkeit

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Zum Thema meines Dissertationsprojekts am Goldsmiths College, London (in Arbeit).

»Nachhaltigkeit« ist in den letzten Jahren zu einer zentralen Forderung in vielen Bereichen sozialen Handelns geworden: In Umweltschutz und Wirtschaftsleben, Medizin und Politik sollen ergriffene Maßnahmen eine anhaltende Wirksamkeit aufweisen, wollen sie nicht als Augenwischerei abgetan werden. Auf ähnliche Weise muss auch die bildende Kunst für sich reklamieren, eine profundere Wirksamkeit als die schnelllebigen Produkte der Unterhaltungsindustrie zu besitzen.

In den vergangenen Jahrhunderten wurde mit Kunst ein breites Spektrum an individuellen und sozialen Wirkungen in Zusammenhang gebracht: Sie sollte lehrreich sein, einen Sinn des Erhabenen vermitteln, die Wahrnehmung schulen oder das Leben verschönern. Nachhaltigkeit in Kunsterfahrungen zu suchen, erscheint implizit wünschenswert, fragt man aber nach ihren konkreten Manifestationen, wird der Diskurs problematisch. Die Wirkung ästhetischen Erlebens ist in der Regel weder quantifizierbar noch nachweisbar - im Gegensatz etwa zur Nachhaltigkeit eines politischen Instruments. Neben heuristischen Schwierigkeiten (Seite der Kunstwirkungsforschung) existieren außerdem idealistisch motivierte und konzeptuelle Vorbehalte seitens der Kunsttheorie und vieler KünstlerInnen: Können letztere überhaupt eine bestimmte Wirkung beim Publikum anstreben ohne ihre Mittel zu instrumentalisieren und somit das Primat des zweckfreien und offenen Kunstwerks in Frage zu stellen?            

Die Annäherung an Fragen der Nachhaltigkeit wird in meiner Dissertation nicht von Seiten der Kunstvermittlung oder Kunstpädagogik unternommen: Es wird nicht nach Antworten gesucht, wie Kunstwerke dem Publikum zugänglicher gemacht werden können. Ebenso spielen kunst-externe Wirkungen (wie kommerzielle Funktionen von Kunstwerken) nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind Fragen nach Form, Inhalt und Präsentationskontext der Werke selbst: Was erhält Aufmerksamkeit, was bleibt nach dem Museums- oder Galeriebesuch im Gedächtnis, was wird reflektiert? Und: Welche Quellen und Techniken können, angesichts der methodischen Problematik, eine Ahnung darüber vermitteln, wie Kunstwerke ihr Publikum verändern?

Jörg Jozwiak, Oktober 2007


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