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Seminarangebot:
1. Kunst und Nachhaltigkeit
2. »Unsichtbare Kunst«

1.) Kunst und Nachhaltigkeit

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In den vergangenen Jahrhunderten wurde mit Kunst ein breites Spektrum an individuellen und sozialen Wirkungen in Zusammenhang gebracht: Sie sollte lehrreich sein, einen Sinn des Erhabenen vermitteln, die Wahrnehmung schulen oder das Leben verschönern. Nachhaltigkeit in Kunsterfahrungen zu suchen, erscheint implizit wünschenswert, fragt man aber nach ihren konkreten Manifestationen, wird der Diskurs problematisch. Die Wirkung ästhetischen Erlebens ist in der Regel weder quantifizierbar noch nachweisbar - im Gegensatz etwa zur Nachhaltigkeit eines politischen Instruments. Neben heuristischen Schwierigkeiten (Seite der Kunstwirkungsforschung) existieren außerdem idealistisch motivierte und konzeptuelle Vorbehalte seitens der Kunsttheorie und vieler KünstlerInnen: Können letztere überhaupt eine bestimmte Wirkung beim Publikum anstreben ohne ihre Mittel zu instrumentalisieren und somit das Primat des zweckfreien und offenen Kunstwerks in Frage zu stellen?

Die Annäherung an Fragen der Nachhaltigkeit wird in diesem Seminar nicht von Seiten der Kunstvermittlung oder Kunstpädagogik unternommen: Es wird nicht nach Antworten gesucht, wie Kunstwerke dem Publikum zugänglicher gemacht werden können. Ebenso werden kunst-externe Wirkungen (wie kommerzielle Funktionen von Kunstwerken) nur eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend sind Fragen nach Form, Inhalt und Präsentationskontext der Werke selbst: Was erhält Aufmerksamkeit, was bleibt nach dem Museums- oder Galeriebesuch im Gedächtnis, was wird reflektiert? Und: Welche Quellen und Techniken können, angesichts der methodischen Problematik, eine Ahnung darüber vermitteln, wie Kunstwerke ihr Publikum verändern?

2.) Unsichtbare Kunst

KünstlerInnen sind besonders privilegiert, sich frei bei den unterschiedlichen Methoden, Materialien, Konzepten und Innovationen anderer Disziplinen bedienen zu können. So gesehen ist zwar ein großer Teil der zeitgenössischen Medien-, Installations- und Aktionskunst inhärent multi-disziplinär; dieses Charakteristikum wird jedoch oft als Inter-disziplinarität missverstanden. Roland Barthes stellte bereits 1972 fest, dass es, um im wahrsten Sinne des Wortes, inter-disziplinär zu handeln, erforderlich ist, ein ‘Objekt zu schaffen welches niemandem gehört’. Dies bedeutet für Kunstwerke, die den Anspruch erheben, interdisziplinär zu sein, auch auf viele ihrer eigenen typischen Kontexte zu verzichten - nämlich solchen, die beim Publikum das Bewusstsein auslösen, ein Objekt der ‘Kategorie Kunst‘ zu sehen. Sollte dies gelingen, wären Probleme der Fetischisierung von Kunst und Formen der Betrachtung unter Prämissen des sozialen und kulturellen Prestiges ebenso suspendiert wie die weiterhin verbreitete Frage »Was wollte uns der Künstler damit sagen?«. Mit Theodor Adorno lässt sich die Liste um die ökonomischen Dimensionen der Kunst und das Problem der ‘Bewunderung für das Genie’, erweitern. Ein solches Konzept hat seine Wurzeln in den klassischen Avantgarden der Dadaisten, Surrealisten und der Situationalistischen Internationalen und setzt sich in der zeitgenössischen Interventionskunst fort.


Ich schlage in diesem Seminar eine interdisziplinäre Praxis der Kunst vor, die die Grundsätze der Interdisziplinarität mit den Zielen der Interventionskunst verbindet und stelle diese zur Diskussion. Es wird danach gefragt werden, was ein wirklich interdisziplinäres Objekt ausmacht (und ob dieses eine Utopie bleiben muss), wo es auftauchen könnte und wie es rezipiert werden würde. Mit dem Arbeitsbegriff Unsichtbare Kunst soll analysiert werden, ob Interdisziplinarität als ein genuines Genre der Kunst betrachtet werden kann. Schließlich ist das Ziel, mit den SeminarteilnehmerInnen an der Erarbeitung einer Plattform zu arbeiten, auf die KünstlerInnen aufbauen können, eine Plattform künstlerischer Praxis die nur im Dazwischen disziplinären Grenzen existiert und das Publikum überrascht und herausfordert, da es vor allem einem "merkwürdigen Phänomen" begegnet und keinem Objekt, das sich spontan (als Kunst) kategorisieren lässt.

 

Texte / Handouts zum Seminar / Onlineresourcen (sofern verfügbar)

Eine Auswahl dieser Texte wird (je nach Zeit und Interesse der SeminarteilnehmerInnen) besprochen werden. Sie können hier zur Vorbereitung heruntergeladen werden.

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Das Erhabene und die Avantgarde
Jean-François Lyotard

E-Motion -- Was bewegt uns an den Medien?
Katja Mellmann - Über fiktionale Welten, virtuelle Kontakte und die Realität der Gefühle

Philosophy, Art and Politics as Interesse.
Towards a Lyotardian post-Kantian aesthetic.

Henk Oosterling (englisch)

Popular Discrimination
John Fiske (englisch)
Der kurze Sommer der Anarchie
Artikel über das Phänomen Flash Mob von Peter Kümmel (Die Zeit)
Die alte Unübersichtlichkeit der Empfindungen
Auszug aus: Hans-Martin Schönherr-Mann. Das Mosaik des Verstehens. Skizzen einer negativen Hermeneutik.
"Der gute Hund"
Auszug aus: Robert M. Pirsig. Lila oder ein Versuch über Moral.
Über Dynamik und Statik (in der Evolution)
Auszug aus: Robert M. Pirsig. Lila oder ein Versuch über Moral.
Über den Begriff der Qualität
Auszug aus: Robert M. Pirsig. Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten.
Einleitung zur Analytik des Erhabenen
Auszug aus: Immanuel Kant. Kritik der Urteilskraft.
Vom Wege des Schaffenden
Auszug aus: Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra.
Dadaistisches Manifest
(1918)
Was ist das Museum der Unerhörten Dinge?
Text des Gründers Alber Albrecht
Reflexion und Performativität. Ausbruch der Kunst aus dem Ghetto der Avantgarde
von Dieter Mersch.
Die Kunst des Unbestimmten.
Lyotards Ästhetik des Erhabenen

von Martin Götze.
Notes on Invisible Art (Auszug)
Aaron Robertson (englisch)
DIVERSE ZITATE
Material, das im Seminar (selektiv) gelesen wird
   
           
Kunst - Auswahl*
           
Komar & Melamid:
The Most Wanted Paintings on the Web

Matthew Barneys ‘Cremaster‘


Ilya & Emilia Kabakov
           
Tony Oursler


Christoph Schlingensiefs Aktion
"Bitte liebt Österreich"

 

   
* Die hier verlinkten Positionen sind nicht nach Relevanz (hinsichtlich der ca. 40 im Seminar angesprochenen Beispiele) sondern nach der Qualiät von verfügbaren Onlineresourcen ausgewählt worden.
 
Interdisziplinäres
           
Schrumpfende Städte

The Degree Confluence Project

Beaureau of inverse technology

           
David Papadopoulos
Gunther von Hagens 'Körperwelten'
   
           
Diverses
           
Stichting Media Art Investigations
Die Seite scheint ein paar Bugs in der Navigation zu haben, daher hier ein Direktlink zu dem (sehr ausführlichen) Aufsatz M.J.M. Bijvoet: Kunst-Forschung
Museum der Unerhörten Dinge
A Brief History of Invisible Art
Im CCA Wattis Institute for Contemporary Arts (San Francisco) gezeigte Ausstellung
           
Mercury Theatre On The Air
Downloadmöglichkeit für Orson Welles Hörspiel War of the Worlds
micronations.net

BlinkenlightsChaos-
Computerclub

Öffentliche Aktionen des Chaos Computer Clubs
           
London Flash Mob
Gute Startseite zum Thema Flash Mob, weltweite Links
Ebaylone-Portal
diverse Videolinks / Flash Mobs
   
           
Literatur
Eine Literaturliste befindet sich in Vorbereitung. Einstweilen empfehle ich generell diese beiden Titel.
Robert M. Pirsig: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten. Ein Versuch über Werte.
Originaltitel: Zen and the Art of Motorcycle Maintenance.
'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Robert M. Pirsig: Lila. An Inquiry into Morals. [wird auf deutsch nicht mehr verlegt]
'Bantham Press New York'
           

 

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