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Schnee von gestern

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Die Zeit - Online

Nachrichten aus Forschung und Lehre
24.03.2003 - Sonne bringt Schneemann über´s Jahr
 
Technische Fachhochschule Berlin - Mit dem Frühling scheint der Winter vergessen. Nicht so an der Technischen Fachhochschule Berlin, denn dort wird ein Schneemann über den Sommer gebracht.
Die Sonne selbst - sonst natürlicher Feind des Schneemanns - ist es, die dem freundlichen weissen Mann hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Möglich wurde die Probjekte "Schnee von gestern" durch den 30jährigen Düsseldorfer Künstler Jörg Jozwiak, dem es nach zwei Jahren intensiver Recherche in Zusammenarbeit mit der Technischen Fachhochschule Berlin und dem Labor für konventionelle und erneuerbare Energien gelang, das Leben eines Schneemanns zu retten. Bei konstant -5° C hat es sich der Schneemann jetzt in einem gläsernen Gefrierschrank gemütlich gemacht. Der notwendige Strom wird dank einer Photovoltaikanlage ausschliesslich von der Sonne bezogen.
Und wie es sich für einen richtigen Studenten gehört, darf auch die feierliche Immatrikulation des Schneemanns nicht fehlen: Alle Interessierten sind herzlich eingeladen:
am Montag, 7. April 2003, um 15.00 Uhr, im Foyer des Hauses Grashof.
"Der Schneemann soll leben", sagte sich der 30-jährige Künstler als er vor zwei Jahren den ersten Dreikugler seit rund 20 Jahren baute.
Kaum war der erste brauchbare Schnee gefallen, reiste er nach Berlin. Dort entstand "sein" Schneemann, der sogleich den Weg in das sichere Gefrierfach fand. Hier steht er seit dem 31. Januar und freut sich auf ein sonniges Jahr in der Hauptstadt.
"Schnee von gestern ist eine 'komische Begegnung im Alltag'", so Jörg Jozwiak.
Der Solar-Schneemann ist noch bis zum 31. Januar 2004 in der Technischen Fachhochschule Berlin, Foyer Haus Grashof, Luxemburger Strasse 10, 13353 Berlin zu sehen.
     
Der erste Schneemann, der den Sommer erlebt
Cooles Werk eines Düsseldorfer Künstlers
BILD, 04.04.2003

 
Düsseldorf - Sie sind so cool mit ihren dunklen Kohleaugen und der krummen Möhrennase: Die Schneemänner. Leider schmelzen sie alle mit steigender Temperatur unweigerlich dahin. Alle? Nein, einer nicht. Sein Retter: Jörg Jozwiak (30) aus Düsseldorf.
Das letzte Exemplar der Schneemann-Garde dieses Winters geniesst die Frühlingssonne völlig unbeschadet in einer solarbetriebenen, gläsernen Gefriertruhe. Bei konstant -5°C soll er bis 31. Januar 2004 "überleben".
"Schnee von gestern. 365 Tage für einen klassischen Dreikugler" nennt Künstler Jörg Jozwiak sein Werk. Montag wird der "Solar-Schneemann" an der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) offiziell als "Student" aufgenommen. Im palmengeschmückten Foyer der Hochschule freut er sich auf viele Besucher. Ein Schneemann, den ausgerechnet die Sonnenenergie leben lässt - kurios!
Der Künstler: "Ja, meine Arbeit ist auch ein Spiel, vergleichbar mit einem Kind, das seine Sandburg vor der ansteigenden Flut befestigen will."
Die Idee dazu kam ihm im vorletzten Winter: "Da baute ich meinen ersten Schneemann seit 15 Jahren. Ich wünschte mir, er würde mir für immer erhalten."
Mit Unterstützung der TFH, mehrerer Solarfirmen und Petrus, der es an diesem Tag in Berlin kräftig schneien liess, wurde der Schneemann am 31. Januar 2003 "geboren", in die Gefriertruhe gestellt. Und die Sonne sorgt dafür, dass er überlebt.

Von Katja Dertstroff
     
Immer schön cool bleiben
TAZ Berlin, 05.08.2003

 
Ganz Berlin motzt über die Hitze. Jörg Dreikugler behält gerade wegen der Sonne einen kühlen Kopf. Seit Januar steht der Schneemann im Foyer der Technischen Fachhochschule - im Solarkühlschrank

30 Grad im Schatten lassen Schweiß in Strömen fließen. Ganz Berlin klagt über Hitze. Nur einer bleibt cool. Jörg Dreikugler, Student im ersten Semster, Schneemann im ersten Sommer. Seit dem 31. Januar steht er in einer
umgebauten Kühltruhe und schaut durch ein eingebautes Glasfenster ins Foyer der Technischen Fachhochschule.
Auf der Wiese direkt vor der Tür hat der Düsseldorfer Künstler Jörg Jozwiak an einem verschneiten Wintertag dem klassischen Dreikugel-Schneemann das Leben geschenkt - und ihn für ein Jahr den Händen der Vergänglichkeit
entrissen. Das ist natürlich nicht einfach Kunst, sondern, so der Künstler, "eine komische Begegnung im Alltag". Ausgerechnet die Sonne - sonst natürlicher Feind aller Schneemänner und -frauen - lässt Dreikugler über
den Sommer kommen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt die mannshohe Kühltruhe mit Strom und sorgt somit für lebenserhaltene minus fünf Grad kalte Atmenluft.
Selbstverständlich also, dass Dreikugler auch im August seine rote Strickmütze trägt und um den Hals den roten Häkelschal. Die Eierkohlenaugen sind zwar schon leicht verdreht, der Zweigmund hängt am seidnen Faden, die
Möhrennase ist verschrumpelt. Doch sonst geht es ihm trotz der Hitze draußen blendend.
Im Kühlschrank hat der Schneemann ohnehin ganz andere Sorgen: Gefrierbrand. Der Horror der Hausfrau kann nicht nur Steaks, sondern auch Schneemänner austrocknen. Weil im Kühlschrank nicht überall die gleiche Temperatur
herrscht, kommt es zu Luftströmungen. An der wärmeren Oberfläche des Schneemanns verdunstet Wasser und kondensiert an der kühleren Kühlwand wieder zu Eis. Die Folge: Der Schneemann wird kleiner.
"Für sein Alter sieht Jörg noch enorm gut aus", findet Volker Mank. Der Ingenier vom "Labor für konventionelle und erneuerbare Energien" hat Dreikugler beim Überleben geholfen. Eine Woche lebt ein Berliner Schneemann
durchschnittlich, vermutet Mank. Dieser hier lebt schon seit 24 Wochen. Das entspräche 1.752 Menschenjahren.
Seinen ersten Geburtstag feiert der Schneemann trotzdem erst am 31. Januar 2004. Dann darf er raus aus der Kühltruhe. Anlässlich der Finissage wird er wieder vor die Tür gestellt. Bis dahin hockt er weiter in der Truhe und
erinnert Hitzenörgler an das Unvermeidbare: Der nächste Winter kommt bestimmt.

von Jan Rosenkranz
     
COOLER KOMMILITONE
Schneemann mit Studentenausweis
Der Spiegel-Online, 06.08.2003

 
Er ist der erste und einzige Schneemann, der ordentlich an einer Hochschule immatrikuliert ist: "Jörg Dreikugler" soll bis zum nächsten Januar überleben - bei minus fünf Grad im gläsernen Gefrierschrank einer Berliner FH. Über den heißen Sommer retten muss ihn ausgerechnet die Sonne, natürlicher Todfeind jeder Eisfigur.

Student Schneemann: Gilt bei Kommilitonen als ruhig und nett. Freundlich schaut er hinter der Glastür seines Eisfachs: Schon jetzt ist "Jörg Dreikugler", so wurde er an der Technischen Fachhochschule Berlin getauft, eine kleine Berühmtheit. Der Schneemann soll alle vier Jahreszeiten erleben. Nebenbei hat die Hochschule ihren coolen Dauergast ganz offiziell als Maschinenbaustudent eingeschrieben. "Er nimmt aber niemandem einen Studienplatz weg", sagte die Pressesprecherin der FH. Und Scheine hat er im ersten Semester auch noch nicht gemacht.
Ein bisschen Spaß muss sein - aber hinter der schrägen Idee steckt künstlerische Ambition. Jörg Jozwiak, gelernter Bildhauer und gerade mit dem Studium in Düsseldorf fertig, hat den Schneemann erschaffen. Zwei Jahre dauerten Vorbereitung und technische Umsetzung. Die größte Schwierigkeit: Der Deckel der Kühltruhe sollte durch eine Glasscheibe ersetzt werden, damit der Schneemann raus- und Zuschauer reingucken können.

"Mein Schneemann soll leben"
Jozwiak, 30, hat damit einen klassischen Kindertraum verwirklicht: einen Schneemann viel länger zu erhalten als nur einen Winter. Doch fast wäre das Projekt noch im letzten Moment an höherer Gewalt gescheitert.

Als es los gehen sollte am letzten Tag des Jahres 2002, lag einfach zu wenig Schnee. Wenige Flocken waren gefallen, nahezu verzweifelt klaubte Jozwiak zwischen den Grashalmen eine spärliche Menge Schnee zusammen - nicht genug für einen ausgewachsenen Dreikugler. Doch dann tat der Himmel sich auf und ließ es richtig rieseln. Dreikugler war geboren, Jozwiak hatte sein Kunstwerk.
Schließlich ist der Schneemann im Kühlschrank nicht einfach ein Schneemann im Kühlschrank, sondern eine Probjekte mit dem schönen Titel "Schnee von gestern. 365 Tage für einen klassischen Dreikugler". Der Künstler erklärt: Ein Schneemann im Sommer steht symbolhaft für die Schnelllebigkeit der Zeit und für Vergänglichkeit schlechthin. "Wir finden uns nicht damit ab, dass Dinge zeitgebunden sind", sagt Jozwiak, "in vielen Bereichen unseres Lebens sind wir um Konservierung bemüht: Das einmal Geschaffene soll aufbewahrt, der natürlichen Vergänglichkeit begegnet werden." Bei allem Ernst - eine gewisse "humoristische Komponente" will der Künstler gar nicht abstreiten.

Frostiger Kollege: Ein Platz an der SonneKulturkritisch motiviert oder nicht, der rot pudelbemützte Herr Dreikugler hat seinen festen Platz in der Eingangshalle der Hochschule. Damit er immer einen kühlen Kopf bewahrt, wird die Temperatur konstant bei minus fünf Grad gehalten. Überlebenswichtig sind Sonnenstrahlen: "Der Schneemann soll leben, und zwar durch genau das, was ihn eigentlich zerstört, die Sonne", so Wozniak.
Und so speisen Sonnenstrahlen die Photovoltaikanlage auf dem FH-Dach die wiederum die aufrecht stehende Kühltruhe des Schneemanns mit Strom versorgt. Damit macht Jörg Dreikugler auch weiterhin bella figura - wenn alles gut geht, bis zum 31. Januar 2004.
Nur seine Möhrennase könnte bald schon alt aussehen: Der Gefrierbrand nagt.

Von Jörg Hackhausen
     

Berliner des Tages
Die Welt, 03.02.2004

 

So schnell wie er ist noch keiner dahingeschmolzen. Dabei war Jörg Dreikugler Zeit seines Lebens eiskalt. Er überlebte als erster Schneemann einen heißen Sommer und er war der jüngste Student der Technischen Fachhochschule Berlin.
Kurioserweise war es ausgerechnet die Sonne, die den Mann aus Schnee in seinem Kühlschrank ein Jahr lang am Leben erhielt. Die Rübennase schon
etwas schrumpelig, das Schneehemd an manchen Stellen schmutzig, lächelte er gewinnend durch die Dreifach-Isolierglasscheibe seines Zuhauses.
Doch allerspätestens in ein paar Tagen wird er Schnee von gestern sein.
Mit der Säge trennte sein Erschaffer Jörg Jozwiak gestern die festgefrorenen
Stummelärmchen vom Eis und hob das Schne männchen auf den grünen Rasen. Denn es hat alle Prüfungen bestanden und wurde deshalb in den Naturkreislauf exmatrikuliert. Der klassische Dreikugler wird erst zum
Kugelbäuchlein schrumpfen und sich dann in einer Pfütze über den Rasen ergießen. Eine rote Mütze, ein Schal und ein paar Kohlestückchen ist
alles, was von ihm übrig bleiben wird. Künstler Jozwiak bleibt gelassen: hat er doch mit seiner Installation in Zusammenarbeit mit dem hochschuleigenen Labor für konventionelle und erneuerbare Energien die lebenserhaltenden Chancen der Solarenergie aufgezeigt. Übrigens sind auch Männer aus Schnee käuflich - zumindest ihre Überreste: Schal, Mütze und Kohle-Kulleraugen können bei Ebay ersteigert werden. Der Erlös geht an Greenpeace.

mtn

 

 

     
Radiobeitrag für Kinder
von Stephan Holzapfel
Gesendet vom Deutschlandradio Berlin und Westdeutschen Rundfunk im Sommer 2003

4:13 Min, mp3 Audio-Datei
O-Ton (2,9 MB)

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(z.T. sehr ironischer) Radiobeitrag
von Andreas Baum
Gesendet vom Deutschlandfunk Köln und Deutschlandradio Berlin
am 03.02.2004

5:03 Min, mp3 Audio-Datei

 

O-Ton (3,9 MB)

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Sonstige Berichte:
Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung, BZ, Berliner Abendblatt, Ärzte Zeitung, Düsseldorfer Express, Bodenseezeitung, Schwarzwaldzeitung, Berliner Kurier, Piccola, Solarthemen, Sat1, ARD Fernsehen, RTL II, RBB, SWR Fernsehen, Antenne Thüringen, NDR 2, SWR 3, Berliner Rundfunk 89,4, BBC (London), IOL-Independent Newspapers (Kapstadt, Südafrika), Dagbladet (Oslo, Norwegen), Taipei Times (Taiwan), Yahoo Espana und andere



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