Installationen: Galerie Turtur
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Installationen



Galerie Turtur (2001)

Galerie Turtur: physisch und virtuell. Ausstellung von Sandra Schmidt.
Ausstellung von Eliane Paulino. Ausstellung von GRR West.

Öffnet die Letzte Ausstellung
(Won Seung-Won, geschlossen 28.02.2002)
in eigenem Fenster



Am 20. Februar 2001 wurde das Projekt Galerie Turtur ins Internet gestellt.
Ein real bestehender Miniaturraum bildete die Architektur für die virtuelle (scheinbare) Dimension der Galerie, die dem Onlinepublikum für 13 Monate präsentiert wurde. Die reale Ausdehnung des Raumes stand im Verhältnis 1:25 zu seiner virtuellen Dimension; die Galerie schien auf dem Bildschirm also 25 mal grösser zu sein, als sie tatsächlich war. Der Ausstellungsraum besaß eine Ausstellungsfläche von 1850 cm² (real) und 116 m² (virtuell).

Alle im Internet zu sehenden Exponate waren für die Dauer der entsprechenden Ausstellung im realen Raum der Galerie Turtur installiert. Die Ausstellungsstücke besassen also im Original ein entsprechend kleines Format. Nach Absprache konnten die realen Ausstellungen vor Ort in Düsseldorf besucht werden. Nicht ausgestellt wurden "Ready-mades", also Dinge, deren Größe bereits in ihrer Funktion oder, bei Naturprodukten, in ihrem Wachstumszustand, begründet war.




Da die Wahrnehmung von allen möglichen Ereignissen seit langer Zeit zunehmend durch Bildmedien erfolgt und auch Kunstwerke einem größer werdenden Publikum über Ausstellungskataloge, Internet und Fernsehen präsentiert werden, ist der Betrachter stets auf relativierende Bildelemente angewiesen, um die wirklichen Grössenverhältnisse geistig rekonstruieren zu können. Die Architektur der Galerie Turtur provozierte hier die Fehleinschätzung. Die ausgestellten Objekte schienen durch die Präsentationsform zwar etwas zu sein, das sie nicht sind, allerdings eher im Sinne des Gegensatzes zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem und nicht als Trick. Sie könnten gross sein - eine Bananenschale beispielsweise, die des Effektes wegen hier plaziert, riesengross aussähe, besässe dieses Potential - im Gegensatz etwa zu einer Fotografie - nicht.
Folglich wurde auch darauf verzichtet, Reproduktionen, wie zum Beispiel Abbildungen, von tatsächlich großformatigen Arbeiten in der Galerie Tutur zu zeigen.

Mit dem Ende der Ausstellung von Won Seoung-Won wurde die Galerie am 28. Februar 2002 geschlossen. Inzwischen hatten hier vier KünstlerInnen ihre Arbeit präsentiert.
Dokumentationsprozess

Die letzte Ausstellung kann hier weiterhin besucht werden.

Der Name Turtur

Der Name Turtur gehört ursprünglich einer Gestalt aus Michael Ende's Kinderbuch "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". "Herr Tur Tur" ist dort ein "Scheinriese", der am Horizont stehend riesengross wirkt und bei Annäherung schrumpft, der normalen Wahrnhemung also genau entgegengesetzt. Er erklärt Jim Knopf und Lukas:

"Sehen Sie, meine Freunde: Wenn einer von Ihnen jetzt aufstünde und wegginge, würde er doch immer kleiner und kleiner werden, bis er am Horizont schliesslich nur noch wie ein Punkt aussähe. Wenn er dann wieder zurückkäme, würde er langsam immer grösser werden, bis er zuletzt in seiner wirklichen Grösse vor uns stünde. Sie werden aber zugeben, dass der Betreffende dabei in Wirklichkeit immer gleich gross bleibt. Es scheint nur so, als ob er erst immer kleiner und dann wieder grösser würde."
"Richtig!" sagte Lukas.
"Nun", erklärte Herr Tur Tur, "bei mir ist das einfach umgekehrt. Das ist alles. Je weiter ich entfernt bin, desto grösser sehe ich aus. Und je näher ich komme, desto mehr erkennt man meine wirkliche Gestalt."
"Sie meinen", fragte Lukas,"Sie werden gar nicht wirklich kleiner, wenn Sie näher kommen? Und Sie sind auch nicht wirklich so riesengross, wenn Sie weit entfernt sind, sondern es sieht nur so aus?"
"Sehr richtig", antwortete Herr Tur Tur. "Deshalb sagte ich, ich bin ein Scheinriese. Genauso, wie man die anderen Menschen Scheinzwerge nennen könnte, weil sie ja von weitem wie Zwerge aussehen, obwohl sie es gar nicht sind."


aus: Michael Ende: "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", Stuttgart 1990, S.132

 

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